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Britten: War Requiem - 5 Fragen an die Dirigentin Elisabeth Fuchs

Mi, 11. September 2013

Elisabeth Fuchs dirigiert von 25. bis 27. September insgesamt drei Mal Benjamin Brittens War Requiem im Großen Festspielhaus. Uraufgeführt vor 51 Jahren, anlässlich der Wiedereinweihung der im Zweiten Weltkrieg durch die deutschen Bombardements zerstörten Kathedrale von Coventry, gilt das Werk des britischen Komponisten, Dirigenten und Pianisten als eine eindringliche Friedensmahnung und als eines der bewegendsten und beeindruckendsten Werke des 20. Jahrhunderts.


Michael Sowa im Gespräch mit der Dirigentin Elisabeth Fuchs



M.S.: Nicht nur Wagner und Verdi feiern in diesem Jahr runde Geburtstage, auch Benjamin Britten hat ein Jubiläum: Er wurde vor 100 Jahren geboren. Was ist Ihre Meinung zu Komponistenjubiläen – Fluch oder Segen? Warum steht das War Requiem in der Saison 2013/14 auf dem Spielplan der Salzburger Kulturvereinigung?

E.F.: Ich würde sagen, Fluch UND Segen sind diverse Jubiläen - je nach Missbrauchslage! Im Fall von Benjamin Britten ist es ein Segen. Er war ein genialer Komponist und seiner Zeit weit voraus. Das wussten auch die Auftraggeber des War Requiems und sie wurden dafür mit einem einzigartigen Werk belohnt, das gestern, heute und auch morgen aktuell sein wird. Ein Werk mit einer zeitlosen, sehr wichtigen und intensiven Aussage.


M.S. Benjamin Britten ist einer der meistgespielten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Das War Requiem ist eine Fortsetzung der Requiems in der Tradition von Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms und vor allem auch von Giuseppe Verdi. Es erforderte sehr viel Mut ein Werk dieser Kategorie im 20. Jahrhundert zu komponieren -  was macht ihrer Meinung nach die Faszinationskraft von Brittens Musik für das Publikum aus und was reizt Sie als Dirigentin an seiner Musik?

E.F.: Britten war sein Leben lang mutig und suchte die Herausforderung. Er war nie ein Mitläufer oder ein Kopierer, nein er war ein absolutes Original. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Requiem eine seiner größten musikalischen Herausforderungen gewesen sein muss - genau aus dem Grund der musikalischen Geschichte der Requiems. Was kann ein Mozart- oder Brahms- oder Verdi-Requiem topen?

Er hat es genial gelöst: 

Zum einen schuf er mit seinem 3-Ebenen Requiem ein unvergleichliches Werk, das anders als alle anderen Requiems zur Reflexion auffordert, man könnte fast sagen, es verpflichtet zur Reflexion. Einmal die allen bekannte Basis, der liturgische Text - dem kommt hinzu die 2. unschuldige Ebene, der Kinderchor mit Harmonium und als 3. Ebene, Worte eines im Krieg gewesenen jungen Dichters, gesungen von zwei Soldaten. Damit, mit diesen 3 Ebenen, erlebt man den Kampf den ein Mensch mit sich führt, müsste er in den Krieg, müsste er das Leiden und das Sterben erleben, und will es nicht, bzw. er hat es schon erlebt und hinterfragt die Sinnhaftigkeit des ganzen, zum einen fürs Vaterland, zum anderen einen anderen Menschen töten, oder selbst getötet werden - wofür? Fürs Vaterland? Ist das richtig? Was sagt das Gewissen, die andere Eben dazu? Was sagen die vielen Mütter und Väter, nochmal eine andere Eben, dazu, dass sie durch den Krieg Kinder verloren haben bzw. aktuell verlieren!?

Und zum anderen ist es fantastisch mit wievielen verschiedenen Klangfarben er die einzelnen Ebenen des Stücks ausstattet und sie miteinander verbindet. Das ist unglaublich - je mehr ich das Werk studiere, desto mehr steigt mein Respekt vor diesem Komponisten, vor dem Menschen Benjamin Britten.


M.S.: Geschrieben wurde das Werk für die Wiederöffnung der Kathedrale von Coventry für die russische Sopranistin Galina Wischnewskaja, den englischen Tenor Peter Pears und den deutschen Bariton Dietrich Fischer-Dieskau - für einen gemischten Chor, einen Knabenchor, ein Orchester, ein Kammerorchester und eine Orgel. Das Werk spielt, abgesehen von der gigantischen Besetzung auf mehreren inhaltlichen Ebenen. Worin liegen die Herausforderungen für Sie als Dirigentin bei der Interpretation und der Aufführung des War Requiems und haben Sie sich bei der Auswahl der Solisten für die Aufführungen in Salzburg an dieser von Britten bewusst gewählten multinationalen Sängerkonstellation orientiert?

E.F.: Die große Herausforderung wird sein, die Botschaft des Werkes so zu transportieren, also so transparent zu gestalten, dass sie beim Publikum ankommt und zwar bei jeder Zuhörerin und bei jedem Zuhörer. Deshalb wollte ich auch unbedingt, dass wir um 19.30 Uhr mit einer "Konzerteinführung de luxe" im Großen Festspielhaus starten: Alle Mitwirkende werden um 19.30 auf der Bühne sein und ich werde etwa 20 Minuten das War Requiem mit Hörbeispielen erklären, Anhaltspunkte geben. Dann gehen wir alle in die Pause und etwa um 20.10 Uhr beginnt das eigentliche Konzert.


Die Solisten für das War Requiem wurden für diese Aufführung nach Qualität ausgesucht, es ist ein Zufall, dass es Brittens Wunsch der Uraufführung, mit 3 Solisten aus "verfeindeten" Staaten, sehr nahe kommt: Armenische Sopranisten (für Russland), deutscher Bariton (für deutscher Soldat), amerikanischer Tenor (für englischer Soldat). 

Wobei, wäre ich Brittens Wunsch -  50 Jahre später - wirklich nachgekommen, hätte ich wohl heute eher Sänger aus aktuell verfeindeten Staaten suchen müssen.


M.S.: Wir befinden uns im Jahr 2013 – glauben Sie dass die Botschaft des War Requiems heute noch den gleichen Stellenwert hat wie zum Zeitpunkt der Komposition? 

E.F.: Leider ja! Die Gegenwart mit Syrien zeigt uns, dass wir, die Menschheit, die Welt, nicht sicher sind vor Krieg. Einzig wie Owen schreibt, was ein Dichter (bzw. Musiker/Künstler) tun kann ist "zu warnen" bzw. zu erinnern, dass Vergangenes nicht in Vergessenheit gerät. Mir hat vor vielen Jahren - da war ich 13 Jahre alt und auf einen Schulausflug im KZ Mauthausen - ein ehemaliger KZ-Häftling gesagt, "Nie vergessen, was geschehen ist, sonst läuft man Gefahr, dass es wieder passiert!


M.S.: Warum sollte man sich dieses Werk nicht entgehen lassen?

E.F.: Aus musikalischer Sicht: ein Stück, das man sich nicht entgehen lassen darf, weil es einzigartig und wirklich gut ist, und aufgrund der Besetzungsgröße (es sind an die 250 Mitwirkenden) und den damit verbundenen Kosten einer Aufführung vermutlich erst wieder in 25 Jahren (nächstes Jubiläum)  aufgeführt werden wird. Für mich ist  (bzw. war) das War Requiem auf meiner "to do Liste bevor ich sterbe". 

Vielleicht aber auch, sollte man einen Abend mit dem War Requiem gestalten um DANKE zu sagen und sich noch bewusster zu machen, wie gut wir es hier im aktuell kriegfreien Mitteleuropa haben!