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‘Einem Dirigierschüler würde ich zuerst einmal Strauß vorlgen, weil es hier darum geht, das rubato zu lernen, das, was nicht in den Noten steht.’

Di, 07. Jänner 2014

Der Dirigent Manfred Honeck im Gespräch mit Michael Sowa

 

Ein Konzert mit Werken von Gershwin, Bernstein und Strauß, interpretiert von einem Orchester, das den Goldenen Saal des Wiener Musikvereins sein Zuhause nennt, geleitet von einem Dirigenten, der bei seinem Debüt als Orchesterleiter die Tritsch-Tratsch Polka auf das Programm setzte, würde durchaus dem Anspruch eines verspäteten Neujahrskonzerts gerecht werden. Tatsächlich aber gastieren die Wiener Symphoniker im Rahmen Ihrer traditionellen Tour durch die Bundesländer drei Mal im Großen Festspiehaus.

 

M.S.: Nicht nur Gershwins ‘Amerikaner in Paris’, sondern auch Sie pendeln regelmäßig zwischen Europa und Amerika, zwischen der Alten und der Neuen Welt. Nachdem Sie jahrelang Bratschist bei den Wiener Philharmonikern waren, haben Sie sich nach Chefpositionen in Stockholm und Oslo an die Spitze des renommierten Pittsburgh Symphony Orchestras ‚hochdirigiert’. Heute sind Sie neben Franz Welser-Möst in Cleveland und (bis vor kurzem) Hans Graf in Houston, einer von drei österreichischen Dirigenten mit Spitzenpositionen bei amerikanischen Symphonieorchestern. Ist das Zufall oder was macht die österreichischen Dirigenten eigentlich so interessant für die Amerikaner?

M.H.: Dirigenten, die quasi aus dem ‚Mutterland der klassischen Musik‘ kommen, sind in den USA sehr hoch angesehen, weil sie in diesem Bereich eine reiche Tradition mitbringen. Dass es nun gerade drei an der Zahl sind, gereicht dem Musikland Österreich zur Ehre.


M.S.: Man spricht ja immer wieder auch von der ‚Globalisierung des Klangs’; man kann ja heute überall studieren, spielen und dirigieren –  haben Sie die Befürchtung, dass früher oder später alles gleich klingt? In Bezug auf Amerika; gibt es überhaupt eine amerikanische Klangtradition bzw. was zeichnet ein amerikanisches Orchester eigentlich aus – was ist der Unterschied zu Europa; wenn wir - sofern das überhaupt möglich ist - die Wiener Symphoniker mit ihrem Orchester in Pittsburgh vergleichen?

M.H.: Ich bin jemand, der vehement gegen die Globalisierung des Klanges kämpft und wiederhole das immer, weil Identitätsverlust keinen Sinn macht. Wozu bräuchte man dann noch Tourneen? Das Interessante ist ja, dass man auf diese Weise Orchester mit einem anderen Klang hören kann. Die Wiener Oboen und Hörner haben ihren Platz in Wien, nur dort und nirgendwo anders. Man kann eigentlich nicht von DER amerikanischen Klangtradition sprechen; früher gab es mal das  Etikett ‚technisch perfekt‘, aber die US-Orchester ‚lechzen‘ in der Tat danach, Musik zu machen. Nicht zuletzt wurde der Klang dieser Orchester stark von weltberühmten Dirigenten geprägt, die oft als Chef lange an einem Ort wirkten. Es sind zwischen den einzelnen Orchestern deutliche Unterschiede zu hören, das Pittsburgh Symphony Orchestra klingt anderes als das Philadelphia Orchestra, das Cleveland Orchestra anderes als das Los Angeles Philharmonic. Der Unterschied zu Europa liegt eher in den Strukturen, in anderen Spielweisen. Die Wiener Symphoniker haben mit Sicherheit ein sehr auf Wien zugeschnittenes Profil.


M.S.: Für den ersten Teil der Konzerte haben Sie zwei Werke der wohl bekanntesten Komponisten ihrer neuen musikalischen Wahlheimat mit im Gepäck. Auf die Frage, was eigentlich typisch für die amerikanische Musik sei, antwortete Leonard Bernstein einmal weise lächelnd: ‚Wir haben mit den Überresten aus Europa begonnen, die man uns großzügig überlassen hatte. Aber letztlich sind wir nun doch im Vorteil: wir haben den Jazz.’ Bernstein überschreitet mit seiner Musik nicht nur alle globalen Grenzen, sondern auch die Grenze zwischen E- und U-Musik. Wie stehen Sie dem teilweise gängigen Vorurteil, die Musik von Johann Strauß sei oberflächlich und leicht gegenüber? Ohne Namen nennen zu wollen; heute  ist es gängig die Walzer und Polkas zu verkitschen und die Konzerte zu ‚eventisieren’. Was denken Sie darüber? Ist das ein Weg Menschen für Klassik zu begeistern oder eine Beleidigung für die sogenannte E-Musik?

M.H.: Jeder Mensch, den man womöglich begeistern kann, ist es wert, dass man Musik aufführt, die leichter zugänglich ist. Das ‚Eventisieren‘ ist jedoch ein großes Problem, da dadurch letztlich von der Musik abgelenkt wird. Wenn nur das Äußere wichtig ist und nicht der Gehalt, kann das für die klassische Musik schwierig werden. Massenware mag ihre Berechtigung haben - eine industriell gefertigte Nachspeise macht satt, aber wie ganz anders schmeckt sie hausgemacht oder im Gourmet-Restaurant. Nichtsdestoweniger ist die Musik, die heute auf dem Programm steht, keineswegs banal, jeder der einmal Strauß gespielt oder dirigiert hat, der weiß, wie schwierig dies vermeintlich ‚Leichte‘ aufzuführen ist. Einem Dirigierschüler würde ich tatsächlich zuerst einmal einen Strauß vorlegen, weil es hier darum geht, das rubato zu lernen, das, was nicht in den Noten steht.


M.S.: Ein Konzert mit Werken von Gershwin, Bernstein und Strauß würde durchaus dem Anspruch eines Neujahrskonzerts gerecht. Wie oft und unter wie vielen Dirigenten haben Sie als Orchestermusiker beim berühmten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal mitgewirkt? Können Sie sich an einen prägenden Höhepunkt erinnern  und haben Sie als Orchestermusiker etwas gelernt, das Ihnen heute als Dirigent von Nutzen ist? Inwieweit haben die Neujahrskonzert-Erfahrungen ihr Verhältnis zu den Komponisten der Strauß-Dynastie beeinflusst? Ich konnte in Erfahrung bringen, dass Sie bereits 1982 bei ihrem Debüt als Orchesterleiter die Tritsch-Tratsch Polka auf das Programm gesetzt haben. Glauben Sie, dass Sie durch Ihre österreichische Heimat musikalisch besonders geprägt sind bzw. gibt es einen speziellen Grund mit diesem Repertoire nun im Jänner auf Bundesländertournee mit den Wiener Symphonikern zu gehen? Nach welchen Kriterien wurden die Stücke festgelegt?

M.H.: Ich habe wohl fünf- bis sechsmal beim Neujahrskonzert mitgespielt. Das allererste unter der Leitung von Lorin Maazel war schon etwas ganz Besonderes. Mich hat das Spielen im Orchester sicherlich sehr beeinflusst, die Art und Weise, das ‚Um und Auf‘, wie dieses Repertoire gespielt wird. Gerade für die Bratschen ist ja der Nachschlag in der Begleitung wesentlich. Ich bin tatsächlich schon sehr früh in die österreichische Volksmusik eingetaucht, zuhause wurde gesungen und ich habe als junger Mensch auch Zither gelernt, auf der man ja gerade dieses Repertoire spielt. Damit in dieser Zeit des Jahresübergangs auf Tournee zu gehen, liegt nahe, der Fasching steht vor der Tür, die Ballsaison ist in vollem Gange. Es ist natürlich auch gerade für dieses Orchester ein fantastisches Repertoire. Was die Auswahl der Walzer und Polkas angeht, so sind sie alle auf die eine oder andere Weise dem Thema ‚Natur‘ verbunden.


M.S.: Heute treten Sie in den bedeutendsten Konzertsälen mit den bedeutendsten Solisten und Orchester auf – so haben Sie etwa im Sommer das Violinkonzert von Antonin Dvorak mit den Berliner Philharmonikern und Anne-Sophie Mutter eingespielt und traten mit ihr gerade erst im Dezember in der New Yorker Carnegie Hall auf. Können Sie sich eigentlich noch an Ihr erstes Konzert, das Sie als Dirigent im Großen Festspielhaus geleitet haben, erinnern? 

M.H.: Leider weiß ich es nicht mehr genau. Ich kann mich aber ganz besonders an ein Gastkonzert mit dem Oslo Philharmonic Orchestra erinnern, das ich kurzfristig als Einspringer für Mariss Jansons übernahm. Das war ein unglaublich spannender Moment.  


M.S.: Mit welchen Künstlern bzw. mit welchem Orchester würden Sie gerne zusammenarbeiten - gibt es ein Projekt das Sie unbedingt verwirklichen möchten?  Wenn wir schon beim Neujahrskonzert waren; ist es einer Ihre Träume dieses zu dirigieren?

M.H.: Ein Traum muss leider immer bleiben, einmal unter Carlos Kleiber eine Bruckner-Symphonie gespielt zu haben. Ansonsten ist für mich ist jedes Konzert, das ich dirigiere, gleich wichtig. Wesentlich ist immer, dass die Rahmenbedingung stimmen.


M.S.: Welche Musik hört Manfred Honeck eigentlich in seiner Freizeit und was tut er um sich zu entspannen?

M.H.: In meiner Freizeit genieße ich es besonders Ruhe zu haben, gehe gern in die Berge und lasse die Stille auf mich wirken. So kann ich am besten neue Kräfte sammeln.


M.S.: Als Reaktion auf die geplanten Einsparungen der neuen Salzburger Landesregierung von über 3 Millionen Euro im Kunst und Kulturbereich hat sich die von der Salzburger Kulturvereingiung unterstützte Initiative ‚Ja zum Kulturland Salzburg‘ (www.kulturland-salzburg.at) formiert – würden Sie diese unterschreiben und glauben Sie dass sich die derzeitige politische Entwicklung negativ auf das Kulturleben in Österreich auswirkt?

M.H.: Diese Initiative unterschreibe ich gerne. Ich stelle fest, dass überall auf der Welt gespart wird und gespart werden muss. Wenn allerdings am Kern des Kulturlebens gespart wird, ist dies kontraproduktiv, weil ich glaube, dass eine Gesellschaft ohne Kultur letztendlich eine verlorene Gesellschaft sein wird. Deswegen ist es ungemein wichtig, dass sich die Verantwortlichen bewusst sind, welchen Stellenwert die Kultur neben anderen wichtigen Bereichen hat. Dass die Kultur an vorderster Stelle stehen muss, sage ich dabei nicht als Kulturschaffender, sondern weil Menschen, die ohne Kultur aufwachsen, innerlich veröden.

 

 

Die Salzburger Kulturvereinigung bedankt sich bei Manfred Honeck für die Teilnahme und Eva Oswalt vom KuenstlerSekretariat am Gasteig für die Koordination des Interviews.