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Klavier Shooting-Star Ingolf Wunder: ‘Salzburg ist eine Stadt, die mir sehr ans Herz gewachsen ist.’

Ingolf Wunder im Gespräch mit Michael Sowa

Mi, 04. November 2015

Mit dem Engagement des Kärtner Ausnahmepianisten Ingolf Wunder für die Konzerte am 11., 12. und 13. November im Großen Festspielhaus ist der Salzburger Kulturvereinigung ein sensationeller Coup gelungen. Seit seinem zweiten Platz beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau stehen dem Kärntner alle Türen offen. Als er 2012 mit dem Mozarteumorchester beim Young Conductors Award der Salzburger Festspiele erstmals in Salzburg öffentlich in Erscheinung trat war sofort klar, dass es nur eine Frage der Zeit sei bis Ingolf Wunder wieder hierher zurück kehrt. Von der Felsenreitschule geht es nun in das Große Festspielhaus.


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INGOLF WUNDER im Gespräch mit Michael Sowa


Michael Sowa: Die mediale Aufregung war groß. Von Skandal und Schiebung war die Rede, denn Ingolf Wunder wurde ‚nur‘ Zweiter beim Internationalen Chopin Wettbewerb in Warschau. Und das, obwohl das Publikum und viele Pianisten den gebürtigen Kärntner für den begabtesten jungen Pianisten hielten. Das war in gewisser Weise ein riesiges Sprungbrett für Ihre Karriere – gleichzeitig sehen Sie Wettbewerbe als Bedrohung für die Teilnehmer. Wieso sind Sie dieser Ansicht?

 

Ingolf Wunder: Prinzipiell muss man festhalten, dass Kunst und insbesondere Musik nicht mit Nummern bewertet werden kann. Das soll jetzt nicht heißen, dass alle Wettbewerbe schlecht sind. Ich habe in meiner Jugend viele kleine Wettbewerbe bestritten, allerdings an wenigen großen und wirklich bedeutenden teilgenommen. Da man als Schüler oder Student in der Regel eher selten die Möglichkeit hat, sein erarbeitetes Repertoire in etwa 15 bis 30 Minuten live vor Publikum aufzuführen, finde ich Jugendwettbewerbe absolut bereichernd und sinnvoll. Das habe ich sehr genossen. Wogegen ich aber oft Bedenken geäußert habe ist das Geschäft, welches sich um die angeblich großen Wettbewerbe entwickelt hat. Es gibt Kandidaten, die von Wettbewerb zu Wettbewerb reisen um von teilweise den selben Jury-Mitgliedern bewertet zu werden. Schlimmer noch ist es, wenn sich Kandidaten mithilfe von anderen Aufnahmen und YouTube-Videos kopierend auf Wettbewerbe vorbereiten und diese somit mit falschen Motiven angehen. Es geht dann oft darum zu gewinnen und nicht darum der Musik zu dienen. Das System, welches wir Menschen erschaffen haben, tut hier der Entwicklung Kunst und Musik nichts Gutes. Es muss immer um die wahre Aussage der Musik gehen und darum seine eigene Musikalität mit den Vorschriften des Komponisten im Dienste der Kunst zu vereinen.


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Michael Sowa: Frédéric Chopin spielte schon immer eine zentrale Rolle in Ihrer Karriere. Sie haben einmal in einem Interview gesagt, dass Sie Chopins Musik durch Ihren ‘Maestro’ Adam Harasiewicz, der im Übrigen in Salzburg lebt, lieben gelernt hätten. Wie steht es mit Ihnen und Tschaikowski, ist er näher in Ihren künstlerischen Mittelpunkt gerückt und haben Sie zu diesem Komponisten auch einen besonderen Zugang? Was ist für Sie das Besondere an seinem ersten Klavierkonzert, auch – sofern der Vergleich überhaupt zulässig ist - im Verhältnis zu Beethoven?


Ingolf Wunder: Es ist richtig, dass mich die Arbeit an dem großen polnischen Komponisten mit Hilfe von Adam Harasiewicz zu Chopins musikalischer Sprache geführt hat. Generell bin und war ich immer in der glücklichen Lage, nur jene Werke öffentlich spielen zu dürfen, die ich auch liebe. Aus meiner Sicht kann man nur so diese Meisterwerke überzeugend und mit dem nötigen Respekt darbieten. So war es auch von Beginn an mit Tschaikowskis erstem Klavierkonzert. Ich liebe seine Weise mit Dissonanz und Konsonanz umzugehen und natürlich auch die Weise, wie er das Klavier mit Bravour in Szene setzen kann. Beethoven ist von Anfang an ein Hauptteil meiner pianistischen Interessen gewesen und es ist seine durchdringliche, unveränderliche und konsequente Form und Kraft, die mich von Anfang an faszinierten. Selbst in lyrischem Charakter, wie das in seinem vierten Klavierkonzert oft der Fall ist, ist das spürbar. Leonard Bernstein sagte einmal treffend, dass es so sei als ob Beethoven eine direkte Telefonleitung zum Himmel gehabt hätte, die ihm sagte, welchen Ton er als nächstes schreiben sollte.

 

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Michael Sowa: Sie wurden oft als Wunderkind bezeichnet – viele Interpreten können mit diesem Begriff allerdings wenig anfangen und sehen eher die harte Arbeit und Disziplin berechtigterweise als Grund für Ihren Erfolg. Waren Sie ein Wunderkind?


Ingolf Wunder: Ich bin sehr sehr glücklich eine Kindheit gehabt zu haben, die wir heutzutage als völlig ‚normal‘ bezeichnen würden. Eine liebevolle Familie ohne Zwänge - einmal abgesehen von ‚mach mal deine Hausaufgaben‘. Bis zu meinem 14. Lebensjahr stand die Geige in meinem musikalischen Zentrum und war von Beginn an eigentlich nur als Hobby gedacht. Ich habe, wenn überhaupt, in etwa 10 Minuten am Tag geübt. Als mich eines Tages Professor Horst Matthaeus vom damaligen Linzer Bruckner Konservatorium am Klavier spielen hörte, dass ich zu dem Zeitpunkt schon etwas konnte, hatte er meinen Eltern geraten, dass ich mich unbedingt professionell mit dem Klavierspiel beschäftigen sollte. Mit meiner Zustimmung war ich dann ein paar Monate später im Konservatorium inskribiert. Man muss sich vorstellen, dass ich zu diesem Zeitpunkt wirklich keine Ahnung von Kunst oder professioneller Musik hatte. Außerdem fehlte es mir an Repertoire und ich wusste nicht einmal wer Vladimir Horowitz war. Das änderte sich jedoch sehr rasch und ich habe begonnen stundenlang Klavier zu üben und wurde in die Welt der Kunst, des Klaviers und der Musik eingeführt. Und ein Jahr später sagte ich meinen Eltern, dass ich Pianist werden wolle. Das Glück war auf meiner Seite - seither mache ich nichts anderes.


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Michael Sowa: Was hätten Sie für einen Beruf ergriffen, wären Sie kein Musiker geworden?


Ingolf Wunder: Ich war immer interessiert an Technologie und auch an Sport. Deshalb hätte es mich wohl in eines dieser Felder verschlagen. Aber im Leben kommt es immer wie es soll.


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Michael Sowa: Die Klassik-Welt dankt es Ihnen, das Sie sich für das Klavier entschieden haben. Sie spielen heute in den wichtigsten Konzertsälen der Welt und mit den besten Orchestern. Nach Ihrem Salzburg-Debüt beim Young Conductors Award in der Felsenreitschule 2012,  bei dem übrigens auch Chopin auf dem Programm stand,  berichtete mir ein Musiker des Mozarteumorchesters, dass er in Ihnen bereits den neuen Rudolf Buchbinder erkannt hätte. Wie betrachten Sie die Situation und wie gehen Sie mit diesen Erwartungen generell um? Wie ist es für Sie in Salzburg aufzutreten? Sind Sie nervös vor Ihren Auftritten?


Ingolf Wunder: Salzburg ist eine Stadt, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ich durfte hier viel Zeit mit Adam Harasiewicz verbringen. Deshalb ist es für mich ganz besonders hier spielen zu dürfen und ich freue mich sehr auf diese drei Konzerte mit der NDR Radiophilharmonie unter Andrew Manze. Zur Nervosität: Jeder Auftritt vor Publikum fördert die Adrenalinproduktion und eine gewisse Spannung ist immer da. Da aber jeder Auftritt anders ist, kann man hier schwer eine allgemeine Antwort geben. Manchmal ist Nervosität mit im Spiel, manchmal nicht. Es hängt immer von der Situation und von der Tagesverfassung ab.


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Michael Sowa: Sie sind bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag und haben bereits vier CDs mit großem Erfolg eingespielt, u.a. Chopin und Tschaikowski mit den St. Petersburger Philharmonikern unter keinem geringeren als Vladimir Ashkenazy – trotzdem hat man den Eindruck, dass Sie sich nicht gänzlich vermarkten lassen möchten. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Deutschen Orchestervereinigung hat ergeben, dass das Angebot an bestens ausgebildeten Pianisten deren Nachfrage um ein vielfaches übersteigt. Kann man heute in einer globalisierten und von Medien dominierten Welt als reiner ‘Diener der Musik’ überhaupt noch erfolgreich sein?


Ingolf Wunder: In unserer westlichen Welt gibt es vermutlich in vielen Berufsgruppen mehr Angebot als Nachfrage. Das sind Probleme, die die Menschheit in Zukunft sicher beschäftigen werden. Von den großartigen Künstlern, Komponisten und Interpreten der letzten 300 Jahre haben die allermeisten ihr gesamtes Leben und ihre vollste Überzeugung in ihre Kunst fließen lassen. Deshalb ist diese so fundamental gut geworden. Es ist unsere Pflicht dieser europäischen Tradition den nötigen Respekt zu zollen und das verlangt es der Musik zu dienen - ‚no matter what‘. Aber natürlich hat jeder Mensch seine eigene Meinung und auch das Recht sein Leben und die Karriere nach dem eigenen Gutdünken zu gestalten.


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Michael Sowa: Was war der Hintergedanke bei der Integration von Filmmusik in ein ‘klassisches’ Album?


Ingolf Wunder: Filmmusik ist seit Jahren ein Teil meiner Familie. Mein Bruder ist Filmkomponist. Generell muss man hier aber etwas weiter ausholen. Musik ist für mich Musik. Es gibt hochwertige und nicht so hochwertige. Es gibt verschiedene Stile und Geschmäcker. Für mich entscheidet einzig und allein die musikalische Sprache, ob ich mich einer Komposition hingezogen fühle oder nicht. Das Album 300, auf welches Sie ansprechen, soll ein Potpourri von 300 Jahren Klaviermusik darstellen. Meisterwerke der Geschichte vermischt mit etwas weniger Bekanntem. All das wurde in diesem Album mit meiner persönlichen Geschichte verbunden, da fast alle dieser Werke einen direkten Einfluss auf mein Leben hatten. Musik hatte auch immer einen direkten Einfluss auf die Dinge, die mir in meinem Leben passiert sind und viele dieser Werke sind auch mitverantwortlich dafür, dass ich mich so sehr in das Klavier und den Klavierklang verliebt habe. Deshalb war es mir eine große Ehre, dass ich diese eher gewagte Zusammenstellung einspielen durfte.


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Michael Sowa: Sie haben bereits sehr viel in Ihrem jungen Leben erreicht – wie geht es weiter, was sind Ihre nächsten Stationen und Ziele?


Ingolf Wunder: Es gibt viele Ziele und ich arbeite jeden Tag an mir selbst um diese zu erreichen. Das wichtigste für mich ist allerdings immer die Inspiration, Motivation und Lebenslage zu haben um der Kunst dienen zu können. Mein Traum wäre es im Allgemeinen, dass die Kunst und ihre wahre Qualität in unserer Gesellschaft wieder auf ein höheres Podest gestellt werden. Dafür will ich arbeiten und investieren. Das Leben gibt einem nicht immer was man will, aber oft was man benötigt. Ich bin dankbar für alles was mir mein Leben bisher gegeben hat und dass ich mich weiterhin auf das konzentrieren kann, was ich liebe. Es ist eine Ehre für die Kunst zu ‚arbeiten‘ und ich freue mich auf viele Dinge, die in der Zukunft noch kommen werden.

 


VIELEN DANK für das Gespräch!