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Interview: Stargeiger Benjamin Schmid spielt Beethoven

Do, 31. Oktober 2013

Eine bereits Jahrzehnte andauernde Partnerschaft verbindet den Stargeiger Benjamin Schmid mit der Salzburger Kulturvereinigung. Zuletzt überzeugte der international gefeierte Solist mit dem WDR Sinfonieorchester Köln in Salzburg Publikum und Presse. Am 14. und 15. November steht er mit dem Mozarteumorchester unter der Leitung von Leopold Hager auf der Bühne des Großen Festspielhauses. Auf dem Programm steht zwei Mal das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven.

Benjamin Schmid (B.S.) im Gespräch mit Michael Sowa (M.S.)

M.S.: Im Laufe der Jahre haben Sie fast alle bedeutenden Violinkonzerte auf CD (viele davon preisgekrönt) eingespielt. Von Ludwig van Beethoven existieren Aufnahmen mit seinen Violinsonaten – das Violinkonzert fehlt, hat das einen bestimmten Grund?

B.S.: Danke für die genaue Recherche, der Grund ist mehrfach: Einerseits gab es vor vielen Jahren schon einen Versuch, den ich während der Aufnahme zum Entsetzen des Produzenten abgebrochen habe, weil ich mit der Qualität des Dirigenten nicht einverstanden war; mehr, es war leider wirklich inakzeptabel. Über diese Begebenheit eines jungen Solisten könnte man schon ein Buch schreiben... jedenfalls hat mir diese sehr unangenehme Situation letzten Endes doch viel Ärgernis erspart – nämlich jenes, ewig mit einer unbefriedigenden Beethoven-Konzertaufnahme leben zu müssen. Schließlich ist dieses Stück eines der wertvollsten, das wir haben, wenn nicht das Wertvollste. Und hier ist der zweite Grund schon involviert: damals habe ich mir geschworen, nur unter besten Bedingungen wieder zur Tat zu schreiten; und es haben sich nun also fast 40 CDs dazwischengeschoben – scheinbar hebt man sich das Beste lange auf. Das passt zum Beethoven-Konzert, denn daran kann man auch nach Jahrzehnten noch wachsen.


M.S.: Das macht das Beethoven Violinkonzert aus und worin liegen die Schwierigkeiten für den Solisten? Stimmt es, dass dieses Konzert das schwierigste unter allen Repertoirestücken ist? Wie oft haben Sie es schon öffentlich aufgeführt?

B.S.: Das Beethoven Violinkonzert ist ein Meilenstein seiner Gattung allein schon in seiner Dimension, die alles davor Gewesene sprengt: allein der erste Satz ist schon länger als die meisten Violinkonzerte davor. Zweitens ist es schon ziemlich ‚unerhört‘, ein Konzert auf vier gleichen Paukenschlägen, quasi Herzschlägen, aufzubauen. Drittens begleitet die Violine ständig die Hauptstimme im Orchester, nicht umgekehrt; eigentlich müsste man es als Fagottkonzert bezeichnen. Diese Begleit- und Umspielfunktion so metaphysisch werden zu lassen ist großartig und hat philosophische Ansprüche: ist die Begleitung eines Partners manchmal wichtiger, schöner und humaner als immer der Protagonist, der Held zu sein? Fünftens ist es erstaunlich, den Solisten zum ersten Auftritt auf der Dominante, unerfüllt, quasi fragend einsteigen zu lassen in einer sehr freien Kadenz, der schon zweieinhalb Minuten Themenmaterial im Orchester vorausgehen. Viertens ist der zweite Satz etwas vom Himmlischen, das je für dieses Instrument komponiert wurde: wie ein Traum, der sich erfolgreich und  ohne jede Anstrengung dagegen stemmt, eineEintrübung des seligen G-Dur zuzulassen. Und sechstens ist ein Rondothema, das gut genug ist, um im dritten Satz mindestens ein Dutzend Mal gespielt zu werden, auch eine große Ausnahme. Siebtens... man könnte noch lange weitermachen. Für den Solisten ist es eine Herausforderung, die Balance zwischen Schönklang und Sensibilität, zwischen Gewissheit und Zweifel, zwischen Erwartung und Überraschung (wie immer bei Beethoven) zu finden. Ich habe meine Beethoven-Aufführungen nicht gezählt, aber es werden schon zirka 70 sein. Klar ist mir aber, dass ich immer noch lerne und immer genauer weiß, warum ich was will. Eine klare Darstellung der Partitur wird über die Jahrzehnte wichtiger, das Geigerische selbstverständlicher.


M.S.: Können Sie ein paar Aufnahmen dieses Konzerts nennen, die für Sie interessant sind bzw. ist das überhaupt gut für einen Interpreten, die Aufnahmen anderer zu hören? Verführt die Allverfügbarkeit von CDs nicht dazu, Interpretationen einfach nachzumachen?

B.S.: Ich höre seit langem nur noch meine eigenen Konzertmitschnitte. Selbst dafür reicht die Zeit mit Familie kaum noch. Vor 30 Jahren liebte ich eine Aufnahme mit Gidon Kremer und der Academy of Saint Martin in the Fields, es war so zerbrechlich und doch so präzis, er spielte eine Kadenz von Alfred Schnittke, in der auch das Berg Konzert vorkam – herrliche Zeitensprünge. Ich spiele zur Zeit übrigens eine geniale Kadenz von Henri Vieuxtemps, den ich für einen wunderbaren Komponisten halte. Früher fand ich es sehr inspirierend, andere Interpreten zu hören – heute entdecke ich Neuigkeiten lieber in der Partitur oder dem geschichtlichen Umfeld der Komposition.


M.S.: Wie verbringen Sie den Tag des Konzerts – wie bereiten Sie sich mental auf eine Aufführung vor?

B.S.: Viele Konzerttage fühlen sich sehr normal an, man hat immer soviel zu erledigen, gerade auch als Familienvater von vier noch kleinen Kindern. Und doch bin ich eigentlich immer sehr damit beschäftigt, keine Energie zu verschwenden, sondern sie zu sammeln. Man verlangt am Abend doch immer das Allerhöchste -  vor allem von sich selbst.


M.S.: Sie spielen auf der Stradivari-Violine ‚Guyot’, ex. 1700 im Wert von über drei Millionen Euro. Über das Geheimnis des besonderen Klangs diskutieren Wissenschaftler und Musikliebhaber seit Jahrhunderten. Was macht dieses Instrument für Sie besonders?

B.S.: Dieses Instrument hat einen sehr klaren, schlackenlosen Klang, der viel wunderbare Registercharakter hat – damit meine ich von satt und baritonesk unten über herbstlich und schmelzig in der Mitte bis betörend hell und klar oben. Ich habe erst kürzlich zum ersten Mal auf der Guyot Stradivari das Beethoven-Konzert gespielt und finde, dass das herrlich zusammenpasst – das ist jetzt keine Werbeeinschaltung........ 


M.S.: Ihre ehemalige Studentin Marie-Christine Klettner (sie sind ja auch Professor am Mozarteum), die ja bereits als eine der größten heimischen Geigenhoffnungen gehandelt wird, spielt auf einer Geige aus einer englischen Privatstiftung. Wie  betrachten sie die Laufbahn von Marie-Christine Klettner, was sind ihre Vorzüge und hat sie das Potential zu einer Weltkarriere?

B.S.: Marie-Christine Klettner ist eine geigerische Ausnahmeerscheinung und hat sicher das Potenzial zu einer grossen Karriere – und wir sollten uns vor Augen halten, dass jede Karriere ihren eigenen Weg geht und das dann der jeweilig Beste sein kann.


M.S.: Sie sind regelmäßig als Solist mit den renommiertesten Orchester – von den Wiener Philharmonikern, dem Concertgebouw Amsterdam bis zum Gewandhausorchester Leipzig - auf allen bedeutenden Konzertpodien der Welt zu erleben. Können Sie sich noch an die erste Zusammenarbeit mit dem Mozarteumorchester erinnern und wie sehen sie die Entwicklung dieses Klangkörpers seit damals?

B.S.: Ich musiziere mit dem Mozarteumorchester seit bald 30 Jahren und ich liebe dieses Orchester, weil es herrlich frische Spitzenleistungen erbringt und ich überdies fast alle Musiker persönlich kenne.


M.S.: Sie sind internationaler Solist, Geigen-Professor und Familienvater. Wie lebt es sich mit dieser dreifach-Belastung und wie schaffen sie es, diese Herausforderungen unter einen Hut zu bringen? Was macht Benjamin Schmid eigentlich, wenn er keine Konzerte spielt?

B.S.: Benjamin Schmid macht sehr gerne mit seinen Kindern unambitionierte Radtouren oder fährt ins Ausseer Land, um sich zu erholen fernab des Tourneelebens bei guter Luft und guten Büchern. Aber ganz ehrlich: Wenn ich keine Konzerte spiele, übe ich für die Konzerte der Zukunft; denn als Geiger wird man jeden Tag besser, auch nach Jahrzehnten, und Üben ist oft noch schöner als konzertieren – kein Druck, nur Musik.


Die Salzburger Kulturvereinigung bedankt sich bei Benjamin Schmid für das Ausführliche Interview.

 


Vollständige Biografie von Benjamin Schmid

 

 

 

KONZERTTERMINE & TICKETS:

 

Do, 14. November 2013, 19:30 Uhr // Großes Festspielhaus [Tickets]
Fr, 15. November 2013, 19:30 Uhr // Großes Festspielhaus [Tickets]

LUDWIG VAN BEETHOVEN Konzert für Violine u. Orchester D-Dur, op. 61
RICHARD STRAUSS Ein Heldenleben, Symphonische Dichtung, op. 40

Mozarteumorchester Salzburg
Benjamin Schmid Violine
Leopold Hager Dirigent