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Trevor Pinnock: "Mit Isabelle Faust wollte ich immer schon zusammenarbeiten! "

Fr, 18. März 2016

Im Hinblick auf die Konzerte von 6. bis 8. April im Großen Festspielhaus: Michael Sowa im Gespräch mit dem Dirigenten Trevor Pinnock und der Geigerin Isabelle Faust

 

 

Im April steht mit Trevor Pinnock einer der großen Pioniere und Mitbegründer der historisch informierten Aufführungspraxis am Pult des Mozarteumorchesters Salzburg. Pinnock, seit drei Jahren erster Gastdirigent des Orchesters und einstiger Lehrer von Chefdirigent Ivor Bolton, zählt zu den Größten seines Faches. In Salzburg interpretiert er gemeinsam mit dem Mozarteumorchester die ‘Große C-Dur-Symphonie’ von Franz Schubert sowie das berühmte Violinkonzert von Felix Mendelssohn. Solistin ist Stargeigerin Isabelle Faust. Mit dem Mozarteumorchester verbindet sie eine mehr als zehn Jahre lange Zusammenarbeit. Gemeinsam traten sie bei Konzerten der Salzburger Festspiele, der Mozartwoche und bei Gastspielen in den großen Konzertsälen der Welt auf. Mit dem romantisch-warmen Ton ihrer ‘Dornröschen-Stradivari’ wird sie diesem beliebten Violinkonzert ihren ganz besonderen Glanz verleihen.

 

Nähre Informationen zu den Konzerten finden Sie hier.

 

 

Michael Sowa: Auch wenn Sie kürzlich mit Aufführungen und Einspielungen von Werken Anton Bruckners und Gustav Mahlers große Erfolge feiern konnten, so haben Sie sich vor allem am Beginn Ihrer Karriere als Mitbegründer der historisch informierten Aufführungspraxis einen Namen gemacht. Später folgte die intensive Beschäftigung mit Wolfgang Amadé Mozart und als logische Konsequenz auch der Erstkontakt mit dem Mozarteumorchester Salzburg. Können Sie sich noch an die erste Zusammenarbeit mit diesem Orchester, dessen ‘Erster Gastdirigent’ Sie heute sind erinnern und was genau schätzen Sie an diesem Klangkörper?


Trevor Pinnock: Meine Beziehung zum Mozarteumorchester ist seit vielen Jahren aufrecht. Mein erstes Konzert in Salzburg aber gab ich bereits 1988 auf Einladung der Salzburger Festspiele mit einer fantastischen Aufführung von Händels ‚Messiah‘ mit meinem ‚The English Concert and Choir‘ und einem herausragenden Solistenensemble. Drei Jahre später folgte die Wiedereinladung und 1992 stand ich bei einem Konzert im Rahmen der Mozartwoche ertmals am Pult des Mozart-eumorchesters. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Die Solisten waren die Sopranistin Barbara Bonney und der erst 17jährige Geiger Maxim Vengerov. Im Laufe der Jahre habe ich eine sehr enge Beziehung zu Salzburg und dem Orchester entwickelt. Es war immer offen für meine Klangvorstellungen und so wurde jedes Konzert ganz besonders und außergewöhnlich. Wir haben uns im Laufe der Jahre kontinuierlich und gemeinsam weiterentwickelt und sind auf diese Art und Weise immer enger zusammengewachsen. Sie wissen, dass der ‚noch‘ aktuelle Chefdirigent des Orchesters, Ivor Bolton, mein ehemaliger Schüler war. Es hat also schon fast etwas familiäres - eine Verpflichtung, die ich immer sehr ernst genommen habe.


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Michael Sowa: Bei der historisch informierten Aufführungspraxis geht es im Wesentlich darum die Musik vergangener Epochen mit authentischem Instrumentarium, historischer Spieltechnik und im Wissen um die künstlerischen Gestaltungsmittel der jeweiligen Zeit wiederzugeben. Nun ist es mit einem Barockensemble wie etwa mit dem von Ihnen gegründeten ‘The English Concert’ möglich, all diese Kriterien zu erfüllen und einer authentischen Interpretation nahe zu kommen. Ein ‘modernes’ oder ‘halbmodernes’ Orchester wie etwa das Mozarteumorchester spielt aber, wenn überhaupt - meist sind es die Bläser - nur teilweise auf ‘originalen’ Instrumenten. Kann man dann eigentlich noch von historisch informierten Aufführungen sprechen oder dient das Mischen von alten und neuen Instrumenten als Stilmittel um auf faszinierende Art und Weise neue Klangeffekte zu generieren?


Trevor Pinnock: Die Frage nach ‚Authentizität‘ ist sehr umfangreich und schwer zu beantworten. Es fällt uns heute sehr schwer sich beispielsweise in die Lage von Musikern hineinzuversetzen, die während der bitterkalten Morgenmessen die frisch geschriebenen Noten von Bach vom Blatt spielen mussten. Außerdem können wir kaum vorstellen, wie es war als das Publikum vor Freude mitten in eine Haydn-Symphonie hineingeklatscht hat. Was würde ein Komponist aus einer vergangene Epoche über die Möglichkeit, Musik aufzunehmen, zu speichern und diese jederzeit wieder abspielen zu können, denken?   
Kurz zusammengefasst würde ich die Wahl der Instrumente und generell den historischen Stil einfach als eine von vielen Möglichkeiten beschreiben um Musik zu machen. Als verantwortungsvolle Musiker müssen wir über das Offensichtliche hinaus gehen und versuchen dieses durch neue Erkenntnisse durch die Erforschung der Quellen zu erweitern. Das Wunder, das sich hinter der großen Musik der Vergangenheit verbirgt ist ihre Zeitlosigkeit - sie ist unabhängig von Moden! Ich bin der Meinung, dass beide Arten von Orchester, nämlich jene die auf Originalinstrumenten spielen und jene mit modernen Instrumenten gegenseitig sehr viel von einander lernen können. Natürlich hat man bei ‚modernen‘ Orchestern immer den Vorteil, dass man auch Werke aus verschiedenen Epochen in einem Konzert spielen kann - genau das habe ich auch mit der Kombination von Haydn und Mahler zuletzt mit dem Mozarteumorchester im Februar getan!


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Michael Sowa: Die ’C-Dur-Symphonie’ von Franz Schubert ist nicht nur ‘groß’, sondern auch in seiner Dauer für die damalige Zeit überdurchschnittlich lang angelegt. Sowohl Robert Schumann, der die Symphonie entdeckte als auch Felix Mendelssohn, der das Werk schließlich mit dem Gewandhausorchester elf Jahre nach Schuberts Tod aus der Taufe hob, glaubten noch die ‘himmlischen Längen’ des Stücks durch Kürzungen erträglich machen zu müssen. Das ist leider auch noch heute so üblich. Sie haben das Werk erst kürzlich mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem DSO Berlin in der ‘Originalfassung’ , also mit allen von ihm vorgeschriebenen Wiederholungen, aufgeführt. Welchen Ansatz verfolgen Sie bei den Konzerten in Salzburg?


Trevor Pinnock: Das ist eine sehr interessante Frage. Aufgrund meiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Komponisten Schubert würde ich persönlich niemals Kürzungen im ersten Satz der Symphonie in Erwägung ziehen. Nichts desto trotz orientiere ich mich bei den Konzerten in Salzburg an meinem Kollegen Felix Mendelssohn, der doch einige Kürzungen vorgenommen hat - allerdings hat er noch viele weitere Wiederholungen total gestrichen! Im durchkomponierten zweiten Satz stellt sich die Frage nach Kürzungen nicht. Was den letzten Satz betrifft so finde ich, dass dieser auch ohne einer zweiten Wiederholung sehr gut ausbalanciert ist. Im Scherzo und Trio habe ich jeweils die zweite Wiederholung gestrichen. Die Version der ‚himmlischen Länge‘ geht ja eigentlich auf Mendelssohn zurück. Ich erachte die Architektur in dieser Länge aber durchaus als angemessen.


Falls ich zukünftig wieder mit den Längen und Wiederholungen sowie etwaigen Kürzungen experimentiere, werde ich das nur in einem verhältnismäßig kleinen Konzertsaal, in dem sich die viszerale Energie der Musiker eher auf das Publikum übertragen kann, tun. Egal welche Entscheidungen man trifft, geht es immer darum, einerseits das Majestätische, gleichzeitig aber auch die Schönheit und die Verletzlichkeit in Schuberts Musik zum Ausdruck zu bringen.


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Michael Sowa: Der Komponist des heute im ersten Teil zur Aufführung kommenden Violinkonzerts, Felix Mendelssohn, hatte die C-Dur Symphonie von Schubert uraufgeführt. Aber nicht nur die Abstimmung des Programms, sondern auch das Engagement der deutschen Geigerin Isabelle Faust scheint, zumindest wenn man auf die offensichtlich ähnlichen musikalischen Herangehensweisen und Auffassungen vertrauen kann, durchdacht. Was schätzen Sie besonders an Isabelle Faust und haben Sie bereits mit Ihr zusammengearbeitet?


Trevor Pinnock: Felix Mendelssohn ist einer meiner persönlichen Helden. Er war bereits in seinen rebellischen Jugendjahren ein großer Meister. So entschloss er sich beispielsweise früh die Matthäus-Passion von Bach wieder aufleben zu lassen. Aber auch später während seiner Zeit am Leipziger Gewandhaus überzeugte er durch eine spannende Programmierung, die sich durch die Aufführung von sowohl historischen als auch damals zeitgenössischen Werken auszeichnete.


Mit Isabelle Faust wollte ich immer schon zusammenarbeiten! Die  drei Konzerte in Salzburg sind nun die perfekte Gelegenheit für die Premiere. Das erste Mal habe ich sie in Breslau bei der Aufführung des Violinkonzerts von Alban Berg erlebt und war sofort beeindruckt von ihrer tiefen Verbindung zur Musik. Isabelle Faust ist eine Musikerin mit großer Persönlichkeit, aber ohne übertriebenem Ego. Wir haben uns vor kurzem getroffen und ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit gemeinsam mit dem Mozarteumorchester.


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Michael Sowa: Liebe Frau Faust, Sie spielen - übrigens auch bei den Salzburger Festspielen im kommenden Sommer - ein Repertoire von Johann Sebastian Bach bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen wie György Kurtág. Worauf kommt es Ihnen bei Ihrer Interpretation an?


Isabelle Faust: Es ist mir wichtig, einen möglichst großen Überblick über das Violinrepertoire zu gewinnen und gleichzeitig Parallelen, Einflüsse, Fortentwicklungen und auch Gegenläufiges oder Querverbindungen erkennen zu können. Das Violinrepertoire ist ein reiches und spannendes Feld. Bei der Auswahl von Repertoire  ist es mir wichtig, eine gute Balance zwischen immer wieder neu zu erlebenden ‚bekannten‘ Stücken und interessanten, nicht so häufig zu hörenden bzw. ganz neu geschriebenen Werken zu finden. In jedem Fall aber sollten es ausschließlich Stücke sein, zu denen ich nicht nur intellektuell aber vor allem auch emotionell einen direkten Zugang finde.


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Michael Sowa: Inwiefern unterscheidet sich Ihre Herangehensweise bei einem Werk eines bereits Verstorbenen von jenem eines noch lebenden Komponisten? Geht es Ihnen eher um einen ‚Schönklang‘ oder um eine  authentische Wiedergabe?


Isabelle Faust: ‚Schönklang‘ kann meiner Ansicht nach gar nicht existieren ohne ‚Hässlichklang‘! Aber in der Musik geht es für mich nicht unbedingt um schön oder hässlich, oder besser: nicht nur darum, vielmehr denke ich, dass Musik Etliches mehr im Menschen bewirken kann, als nur Wohlbefinden durch Schönheit zu erzeugen. Da sehe ich keinen Unterschied bei alter oder neuer Musik. Die Schwierigkeit beim Spielen älterer Musik ist aber, dass wir heute andere Musik kennen, als das Publikum von damals, und wir nicht mit den damaligen musikalischen Gepflogenheiten und dem Musikempfinden der Zeit aufwachsen. Zeitgenössische Musik ist in diesem Sinne für die Interpreten sehr viel unproblematischer, wir haben sogar den Komponisten an der Hand, der Fragen beantworten kann.


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Michael Sowa: Abhängig von der Wahl des Werkes spielen Sie auf verschiedenen Instrumenten spielen? Auf welcher Geige werden sie Mendelssohn spielen?

 

Isabelle Faust: Mendelssohn werde ich auf der Dornröschen Stradivari spielen.


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Michael Sowa: Das Mendelssohn Violinkonzert gilt als das bedeutendste Violinkonzert der Romantik vor Brahms. Sie haben das Werk zum ersten Mal mit 15  Jahren aufgeführt. Woran liegen generell die Schwierigkeiten beim Mendelssohn Konzert und inwiefern verändern sich ihre Interpretationen, wenn sie sich diese Stücke nach größeren Abständen erneut vornehmen?


Isabelle Faust: Es ist sehr schwer für mich selbst einzuschätzen, wie sehr sich meine Interpretation eines Stückes verändert. Es ist nunmal so, dass man sich immer wieder neu an ein Stück heranmacht, immer wieder alte Entscheidungen in Frage stellt, neue Erkenntnisse sucht. Vieles geschieht aber natürlich im fließenden Übergang oder auch im Unterbewusstsein, Musik ist zu komplex und subtil, um da über Entscheidungen quasi ‚Buch zu führen‘. Sicherlich hat sich meine Sichtweise dieses Werkes zu einem gewissen Grad durch meine Erfahrung mit historisch informierten Ensembles mit verändert. Ich denke, dass ich heute auch bei Mendelssohn mehr Artikulation und Phrasiertes, Durchhörbares und transparente Klangflächen suche, als den breiten, massiven Klang.

 

Vielen Dank für die Gespräche!