• Leleux spielt Mozart

    Leleux spielt Mozart

    Ungarische Nationalphilharmonie

    Mehr Infos Ticket kaufen

    Mi, 17. Jänner 2018, 19:30 Uhr
    Großes Festspielhaus

  • Die Tragische

    Die Tragische

    Ungarische Nationalphilharmonie

    Mehr Infos Ticket kaufen

    Do, 18. Jänner 2018, 19:30 Uhr
    Großes Festspielhaus

  • Bruckners Achte

    Bruckners Achte

    Bruckner Orchester Linz

    Mehr Infos Ticket kaufen

    Fr, 19. Jänner 2018, 19:30 Uhr
    Großes Festspielhaus

  • Tschaikowsky Klavierkonzert

    Tschaikowsky Klavierkonzert

    Tschaikovsky Symphony Orchestra

    Mehr Infos Ticket kaufen

    Mi, 07. Februar 2018, 19:30 Uhr
    Großes Festspielhaus

  • Bilder einer Ausstellung

    Bilder einer Ausstellung

    Tschaikovsky Symphony Orchestra

    Mehr Infos Ticket kaufen

    Do, 08. Februar 2018, 19:30 Uhr
    Großes Festspielhaus

  • Prokofjew Klavierkonzert

    Prokofjew Klavierkonzert

    Tschaikovsky Symphony Orchestra

    Mehr Infos Ticket kaufen

    Fr, 09. Februar 2018, 19:30 Uhr
    Großes Festspielhaus

  • Faschingsmatinee

    Faschingsmatinee

    Orchester der Salzburger Kulturvereinigung

    Mehr Infos Ticket kaufen

    So, 11. Februar 2018, 11:00 Uhr
    Großer Saal Stiftung Mozarteum

Andrés Orozco-Estrada: "Ich freue mich auf das Festspielhaus und sein waches Publikum!"

Mi, 11. Jänner 2017

Nach gefeierten Auftritten mit den Wiener Philharmonikern und dem Concentus Musicus bei den Salzburger Festspielen kehrt Andrés Orozco-Estrada nun von 18. bis 20. Oktober mit 'seinem' hr-Sinfonieorchester zurück in das Große Festspielhaus!

Nähre Informationen zu den Konzerten finden Sie hier.


Michael Sowa im Gespräch mit dem Dirigenten Andrés Orozco-Estrada.


Michael Sowa: Sie sind derzeit Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters in Frankfurt, Music Director des Houston Symphony Orchestras, Erster Gastdirigent des London Philharmonic Orchestras und darüber hinaus ein weltweit gefragter Dirigent bei allen führenden Orchestern. Mit Ihren gerade einmal 39 Jahren sind Sie als Dirigent Ihren Ranges extrem jung. Was ist Ihr Erfolgsrezept?


Andrés Orozco-Estrada: Das Erfolgsrezept besteht aus jeder Menge Zutaten: Disziplin, Hingabe, Inspiration, Liebe, Neugierde, auf eine Art auch etwas Selbstaufopferung und natürlich das gewisse Quäntchen Glück... 

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Michael Sowa: Sprechen wir über Ihre musikalischen Anfänge. Um ehrlich zu sein würde ich Kolumbien nicht in erster Linie mit klassischer Musik in Verbindung bringen. Wie kamen Sie zur klassischen Musik?

Andrés Orozco-Estrada: Medellín ist heute eine Stadt mit sehr viel kultureller Bewegung. Als ich dort aufgewachsen bin, war klassische Musik dort noch nicht so präsent wie heute. Meine Mutter allerdings hat sehr früh mein musikalisches Talent gespürt. Als ich zwei, drei Jahre alt war, hatte ich Spaß zu trommeln, machte ständig Musik, einfach aus Freude. Als meine Mutter erfuhr, dass es in Medellín eine neue Schule mit dem Schwerpunkt Musik gibt, hat sie mich dort hin geschickt. Mit meinen vier Jahren bestand ich die Aufnahmeprüfung am Instituto Musical Diego Echavarría und blieb dort von der Vorschule bis zum Abitur. Zum Glück wurde Jahr für Jahr mein Stipendium verlängert. Wir hatten exzellente Lehrer aus Kolumbien, von denen die meisten in den Vereinigten Staaten oder in Europa studierten und dann in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Ab meinem sechsten Lebensjahr habe ich Geige gelernt. Jeden Tag haben wir einige Stunden Musik gemacht: im Chor gesungen, Instrumente gelernt und im Schulorchester gespielt. Im Alter von 15 Jahren stand ich dort dann auch zum ersten Mal am Dirigentenpult. Aber das Besondere an meiner Schulzeit war, dass wir auf natürliche Art und mit großer Freude musizierten - ganz ohne Druck. Nach dem Abitur studierte ich zunächst Violine in Bogotá, doch mein Wunsch stand schon lange fest: Ich wollte Dirigent werden. Auf dieses Ziel fokussiert, machte ich mich mit 19 Jahren auf nach Wien. Ich bestand die Aufnahmeprüfung an der Hochschule und kam damit meinem Traum einen Schritt näher.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Michael Sowa: Welche Rolle spielt klassische Musik im heutigen Kolumbien generell? Hat ‘El Sistema’ in Venezuela Auswirkungen auf seinen Nachbarstaat bzw. gibt es eine ähnliche Bewegung auch in Kolumbien?

Andrés Orozco-Estrada: Natürlich ist ‚El Sistema‘ auch in Kolumbien ein Stück weit Vorbild und spielt für die klassische Musik dort eine wichtige Rolle. Mittlerweile sind im ganzen Land ähnliche Programme entstanden, mit denen ich selbst allerdings nicht in Berührung kam, da ich eine andere musikalische Ausbildung genoss. Heutzutage spielen viele junge Kolumbianer Instrumente und klassische Musik. Jeder Kolumbianer will, dass das Land sich in Kultur, Infrastruktur, Wissenschaft weiterentwickelt. Die Städte pulsieren. Es gibt mehr Musikprogramme in den Städten und an den Universitäten denn je, ebenso  Profi-, Jugendorchester und Chöre. Aber sie entwickeln auch ihr eigenes Musiksystem und ihre eigenen Jugendorchester, wie beispielsweise die Filarmónica Joven de Colombia, die ich auch betreue. Deren  Orchestermitglieder sind zwischen 17 und 23 Jahre alt, kommen aus ganz Kolumbien und haben unterschiedlichsten Hintergrund. In landesweiten Vorspielen werden die jungen Musiker ausgewählt und treffen sich projektweise zu Arbeitsphasen und Konzerten. Eine Besonderheit ist, dass Dozenten aus Profiorchestern wie beispielsweise vom Mahler Chamber Orchestra, dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich oder dem Houston Symphony mit ihnen arbeiten. In diesem Jahr werden sie gemeinsam mit mir zum ersten Mal auf Europatournee gehen und im Vorfeld von Dozenten aus dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt mitbetreut.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Michael Sowa: Sie haben ja bereits mit 19 Jahren Ihre Heimat verlassen und sind nach Wien gezogen. Warum ausgerechnet Wien? Mittlerweile leben Sie beinahe schon die Hälfte Ihres Lebens in Österreich. Fühlen Sie sich als Österreicher?

Andrés Orozco-Estrada: Ja, zu 100 Prozent als Österreicher und Kolumbianer... Ganz bewußt bin ich 1997 zum Studium nach Wien gekommen, denn hier hat die Wiener Klassik ihre Heimat und die deutsche Romantik ihre große, reiche Tradition. Zweifellos ist Wien die pulsierende Hauptstadt der klassischen Musik. Von meinem ersten Tag an wurden mir Traditionen, Spielarten und Repertoire weiter nahegebracht, sei es durch Harnoncourt, die Wiener Philharmoniker oder viele andere herausragende Dirigenten, großartige Orchester und Solisten. Die Oper absorbiere ich hier ebenso wie die Oratorien und vieles mehr. Wien ist für mich was der Mount Everest für einen Bergsteiger ist: Allein schon die Tatsache, hier an der Quelle der Musik zu sein, prägte mich und das bis zum heutigen Tag. Wien ist aber inzwischen auch deshalb mein zweites Zuhause, weil hier meine Familie lebt.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Michael Sowa: Viele Dirigenten und Solisten feierten ihr Debüt im Großen Festspielhaus bei einem Konzert der Salzburger Kulturvereinigung. Laut meinen Recherchen - bitte korrigieren Sie mich falls ich mich irre - bilden Sie hier eine Ausnahme, und das obwohl Sie ja von 2009 bis 2015 einem unserer langjährigen Partner, dem Tonkünstlerorchester Niederösterreich als Chefdirigent vorstanden. Können Sie sich trotzdem noch an Ihren ersten Auftritt im Großen Festspielhaus in Salzburg erinnern? Bei den vergangenen Festspielen jedenfalls feierten Sie ja gleich zwei überwältigende Erfolge in diesem Haus?

Andrés Orozco-Estrada: Drei Mal habe ich bisher dort dirigiert, jedes Mal war es sehr unterschiedlich und erstaunlicherweise fühlte sich jedes meiner drei Dirigate im Großen Festspielhaus wie ein Debüt an. Mein eigentliches Debüt war im Januar 2015 und insofern wichtig, als ich im Rahmen der Mozartwoche die Wiener Philharmoniker dirigieren durfte. Im vergangenen Juli durfte ich bei den Salzburger Festspielen anstelle von Nikolaus Harnoncourt am Pult des  Concentus Musicus Wien stehen und Beethovens neunte Symphonie leiten - ein sehr bewegender Konzertabend. Die beiden konzertanten Aufführungen von ‚Il Templario‘ waren wichtig und spannend zugleich und begeisterten die Zuhörer. Alle drei Konzerte waren besonders für mich. Das Salzburger Publikum ist sehr aufmerksam und musikalisch, was ich als Künstler sehr zu schätzen weiß. Besonders ist auch die Akustik: Auf dem Podium fühlt sich der Raum gut an, sehr nah, obwohl er ja groß ist. Auf jeden Fall freue ich mich sehr auf die kommenden Konzerte - das erste Konzert mit meinem eigenen Orchester hier - also wieder ein Debüt...

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Michael Sowa: Im April folgt Ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern, u.a. mit dem vierten Klavierkonzert des russischen Komponisten Sergei Rachmaninow. Dieses und sein drittes führen Sie in den Monaten davor mehrfach mit dem russischen Komponisten Denis Kozhukhin mit verschiedenen Orchestern in Salzburg, Wien, Houston und San Francisco auf. Was bedeutet Rachmaninow für Sie und was macht die Zusammenarbeit mit Denis Kozhukhin so spannend? Haben Sie bereits mit ihm zusammengearbeitet?

Andrés Orozco-Estrada: Die Klavierkonzerte, die zweite Symphonie und die Sinfonischen Tänze von Rachmaninow waren mir in meinem musikalischen Leben bisher immer gute Begleiter. Sinfonisch erreicht Rachmaninow große Momente und er schreibt wunderbare Melodien. Bewußt versucht Rachmaninow mit großer Emotionalität, Temperament und russischem Charakter, aber eigenen harmonischen Vorstellungen die Linie von Tschaikovsky fortzusetzen. Mit Denis Kozhukhin habe ich bisher noch nicht zusammengearbeitet. Für mich zählt er zu den interessantesten und talentiertesten Künstlern der jüngeren Generation. Es reizt mich daher, mit ihm zusammen eine kleine Reihe zu entwickeln.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Michael Sowa: Sie haben im Jahr 2013 einmal in einem Interview im Klassik-Magazin ‚Crescendo‘ gesagt, dass Sie, wenn Sie ein neues Stück erarbeiten sich viele Aufnahmen von Kollegen anhören und versuchen daraus eine Art Klangcollage zu erstellen. Das ist eine mutige Aussage, insbesondere auch deshalb weil ich davon überzeugt bin, dass viele Ihrer KollegInnen dies niemals öffentlich zugeben würden. Ich habe eher den Eindruck, dass derzeit eher das Gegenteil davon, nämlich völlig unvoreingenommen an eine Interpretation heranzugehen, populär ist...

Andrés Orozco-Estrada: Das ist ein Missverständnis und ich möchte dies gerne klären: Nie habe ich gesagt, meine Interpretation sei eine Collage. Ich habe Carlos Kleiber zitiert, der sich immer alle möglichen Aufnahmen angehört hatte, um zu wissen, was bisher gesagt wurde. Übrigens habe ich auch Partituren von Harnoncourt eingesehen, der notiert hat, wie lange einzelne Aufnahmen anderer Dirigenten dauerten. Ich bin ein neugieriger Mensch und mich interessiert, wie  andere Künstler Stücke interpretiert haben. Jeder Mensch ist historisch und lebt in einem Zusammenhang aus Vergangenheit und Gegenwart. Und jeder Mensch ist ein Individuum mit persönlichen Überzeugungen, Erfahrungen, individuellem Hintergrund und Charakter. Etwas zu kopieren, würde gar nicht funktionieren und überzeugen. Am Ende entwickle ich meine eigenen Interpretationen und meine eigene musikalische Sprache. Ich finde es aber auch wichtig, ehrlich zu sein und zuzugeben, andere Interpretationen zu hören. 

Ich freue mich sehr, wieder in Salzburg zu sein. Ich freue mich auf das Festspielhaus und sein waches Publikum, aber auch darauf, mit meinem eigenen Klangkörper, den ich am besten kenne und selbst forme, unsere eigenen Interpretationen zu präsentieren. Unsere Art zu musizieren soll ins Herz treffen und ein Genuss für die Hörer sein. 

Vielen Dank für das Gespräch!