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"Mit dem Argument, nicht mit drei Kontrabässen im Volkswagen auf Urlaub fahren zu können, hat es mein Vater geschafft, mich doch noch für die Violine zu begeistern."

Vilde Frang im Gespräch mit Michael Sowa

Mo, 12. Mai 2014

Die international gefeierte Geigerin Vilde Frang interpretiert am Freitag, den 23. Mai um 19.30 Uhr mit dem WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste das fünfte Violinkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Gespräch mit Michael Sowa plaudert sie über ihr Leben als 'Wunderkind', ihr Verhältnis zu Wolfgang Amadeus Mozart und wie sie der Kontakt mit Anne Sophie Mutter geprägt hat.


 

Vilde Frang (VF) im Gespräch mit Michael Sowa (MS)

 

 

MS: In der Vergangenheit wurdest du oft das ‚Geigen-Wunderkind‘ aus Norwegen bezeichnet. Als Zehnjährige bist du erstmals als Solistin mit dem Norwegischen Rundfunkorchester aufgetreten. Im Alter von 12 folgte dein Debüt beim Oslo Philharmonic Orchestra unter Mariss Jansons und 2012 dein gefeierter Einstand mit den Wiener Philharmonikern beim Lucerne Festival. Deine Biografie liest sich wie eine Bilderbuchkarriere. Wenn du zurückblickst; wie bist du eigentlich auf die Violine gekommen und welche Umstände haben es ermöglicht, dass du dein Talent so optimal nutzen konntest?


VF: Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen – mein Vater und meine Schwester spielten beide Kontrabass. Als ich jung war beobachtete ich meine Schwester wie sie in Jugendorchestern spielte und wie selbstverständlich ging ich davon aus, dass ich als Nächste an der Reihe sein würde. Mit dem Argument, nicht mit drei Kontrabässen im Volkswagen auf Urlaub fahren zu können, hat es mein Vater dann doch geschafft, mich für die Violine zu begeistern. Eine Entscheidung, die ich bis jetzt keine Sekunde bereut habe.


MS: Kannst du dich noch an dieses denkwürdige Konzert mit Mariss Jansons in Oslo erinnern? Welche Bedeutung hatte es für dich und den Verlauf deiner weiteren Karriere?

VF: Auch wenn sich, vor allem zu Beginn meiner Karriere, nicht alle Türen von selbst geöffnet hatten, bin ich wirklich sehr dankbar dafür wie alles seinen Lauf genommen hat. Die Geige gehörte zwar immer zu meinem Leben, aber nach dem Konzert mit Maestro Jansons wurde alles noch viel intensiver. Ich dachte damals nicht über das Prestige oder die Perspektiven, die mit solch einem Auftritt verbunden waren, nach. Ich habe es einfach genossen und gespielt. Aber natürlich gab es damals auch Menschen, die sich schon genaue Pläne für mich ausgemalt hatten und wollten, dass ich sofort alles und überall spiele. Schon als Kind habe ich zu vielem nein gesagt. Ich wollte nie zulassen, dass jemand zu viel Einfluss auf mich ausübt. Ich war ein Kind das die Herausforderung suchte. Kinder sind oft wie Katzen; wenn sie beispielsweise die Absicht haben auf einen Tisch hinaufzuspringen, dann tun sie es einfach instinktiv, ohne sich über die drohenden Gefahren den Kopf zu zerbrechen. So in etwa war es damals auch für mich. Mariss Jansons habe ich als einen sehr warmherzigen Menschen kennengelernt und auch die Beziehung zum Orchester, das ja auf eine gewisse Art und Weise mein ‚Heimorchester’ war, funktionierte auf Anhieb - wir haben uns gegenseitig sehr unterstützt. Danach habe ich in Deutschland studiert und auch die Begegnung mit Anne-Sophie Mutter war wegweisend für meine weitere Karriere. Rückblickend betrachtet bin ich sehr froh und dankbar dafür, wie alles seinen Lauf genommen hat - dass sich alles, sehr zielorientiert und Schritt für Schritt in die richtige Richtung entwickelt hat.



MS: Stichwort ‚Anne-Sophie Mutter’ – ihre Stiftung hat dir ein  sechsjähriges Stipendium gewährt und eine Violine zur Verfügung gestellt. Inwieweit hat Anne-Sophie Mutter dein Spiel beeinflusst?

VF: Anne-Sophie Mutter hat die Art und Weise, wie ich mich an ein Stück annähere, maßgeblich beeinflusst. Dank ihr weiß ich, dass ein bestimmtes Werk lediglich ein Teil eines größeren Gesamtkonstrukts darstellt. Es gibt noch so viele Dinge die ich ausprobieren möchte. Ein Vorbild ist beispielsweise Yo-Yo Ma, der mit seiner Kunst Brücken baut und Grenzen überschreitet. Die Interaktion mit anderen Kulturen interessiert mich sehr - auch wenn ich Norwegerin bin (lacht), habe ich etwa ein Faible für Flamenco. Flamenco ist ein eigenes Universum, mit dem ich mich verbunden fühle und ist sicherlich auch ein Teil meiner Seele. Zurzeit weiß ich noch nicht, wie ich all diese Ideen umsetzten soll - vorerst bin ich aber auch ganz glücklich, wie es zurzeit läuft. Es gibt so unglaublich viele Werke, die ich noch lernen und aufführen möchte und fühle mich äußerst privilegiert mit so vielen verschiedenen und herausragenden Orchestern wie Dirigenten arbeiten und auftreten zu dürfen.


Was die Violine betrifft; die ‚Freundeskreis Anne-Sophie Mutter Stiftung‘ ist wirklich eine tolle Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, junge hochbegabte Streicher weltweit zu fördern. Mir hatte sie u. a. eine großartige Violine von Jean-Baptiste Vuillaume zur Verfügung gestellt – ich war sehr glücklich mit diesem Instrument, zu dem ich auch eine intensive Beziehung aufgebaut hatte. Mein Instrument ist fast wie meine Stimme – es ist unglaublich. Seit 2009 bin ich in der glücklichen Lage nicht mehr auf die finanziellen und organisatorischen Hilfeleistungen der Stiftung angewiesen zu sein. Damals überkam mich eine gewisse Traurigkeit und auch die Angst, mich von dem Instrument trennen zu müssen bereitete mir Sorgen. So habe ich mich entschlossen, der Stiftung die Violine - zu einem wie ich finde sehr fairen Preis - abzukaufen.


MS: Mittlerweile spielst aber auf einem anderen Instrument? Wie kam es dazu?

VF: Vor zwei Jahren war ich mit Esa-Pekka Salonen auf Tournee und er fragte mich, welches Instrument ich denn zurzeit spiele. Ich habe ihm von der Vuillaume-Violine erzählt und auch erwähnt, dass ich sehr glücklich mit ihr sei. Gegen Ende der Tournee kam Salonen auf mich zu und teilte mir mit, dass er eine Stradivari der japanischen Nippon Music Foundation für mich aufgetrieben hätte – ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Es ist schon eine sehr große Ehre auf so einem Instrument zu spielen. Konkret handelt es sich dabei um die ‚Engleman’-Stradivari aus dem Jahr 1709.

 

 

MS: Wenn man einen Blick auf deine Konzertprogramme und deine Diskographie (Einspielungen der Violinsonaten von Bartok, Grieg und Strauss sowie den Violinkonzerten von Nielsen, Tschaikowski, Prokofjew und Sibelius – letzteres mit dem WDR Sinfonieorchester) wirft, könnte man schnell den Eindruck gewinnen, dass der Fokus deines künstlerischen Schaffens vor allem auf dem technisch-anspruchsvollen, romantischen und modernen Repertoire liegt. Die Violinwerke Mozarts scheinen - zumindest bislang - unterrepräsentiert. Wie würdest du dein Verhältnis zu Mozart beschreiben?

VF: Ja, du hast schon Recht. Mein Schwerpunkt liegt sicher auf dem romantischen Repertoire und den Werken des 20. Jahrhunderts. Bei Strawinsky, Korngold, Britten oder Schönberg fühle ich mich so richtig zu Hause. Dennoch bin ich der Meinung, dass es keinen allzu großen Unterschied macht, wann ein Werk komponiert wurde. Ob Domenico Scarlatti oder Sofia Gubaidulina - beide berühren mich auf die selbe Art und Weise. Wenn ich Mozart spiele fühle ich mich ein bisschen als Teil einer ‚Opera buffa’ – ‚Oh Dio’. Mozart ist sehr fordernd. Man kann sich wie fünf Jahre in der einen und wie 75 Jahre in der darauf folgenden Phrase fühlen. Dieses Phänomen habe ich auch erst vor einigen Jahren erstmals erfahren. Es ist ein wenig wie mit der Bedeutung von Worten: ‚Liebe’ zum Beispiel. Wenn du vier Jahre alt bist, bedeutet Liebe etwas bestimmtes für dich und wenn du zwanzig Jahre alt bist, bedeutet Liebe noch viel mehr. Dasselbe passiert im Alter von 32, 58 oder 71. Die Kraft dieses Wortes ändert sich stetig und genau so ist das bei Mozart. Man baut permanent eine neue Beziehung zu ihm auf. 


MS: Bist du eigentlich angespannt oder nervös vor einem Auftritt oder legt man das mit der steigender Routine ab?

VF: Das ist eigentlich immer unterschiedlich und hängt von mehreren Faktoren ab. Das Schlimmste ist, wenn man zu viel Zeit hat um sich Gedanken zu machen; ... was denn alles schiefgehen könnte oder worauf man Rücksicht nehmen sollte, um gewisse Dinge zu vermeiden. Im Leben befindet man sich immer in einer anderen Stimmungslage, aber die Erwartungen des Publikums sind immer die gleichen. Weißt du was das besondere an der Konzertsituation ist? Im ‚normalen Leben‘ macht man sich ständig darüber Gedanken, was denn nächste Woche oder nächstes Jahr passieren wird oder man reflektiert  eben die Dinge der Vergangenheit. Wir Menschen sind nicht gut, wenn es um das Leben in der Gegenwart geht – zumindest ich nicht. Der einzige Moment, indem ich im hier und jetzt lebe, ist wenn ich Geige spiele. Ja, das ist irgendwie erschreckend - gleichzeitig aber auch überwältigend. 


MS: Wie fühlt man sich unmittelbar im Moment nach dem Auftritt?

VF: Meistens bin ich in dieser Phase gedanklich und emotional noch komplett vom Werk gefangen. Auch wenn man dem Publikum physisch unglaublich nahe ist, denke ich, ist die Bindung oder der Kontakt zu diesem während der Aufführung am intensivsten. Wenn man spielt ist man wesentlich verletzlicher und zeigt sich von einer viel persönlicheren Seite.


MS: Du bist in Norwegen aufgewachsen und hast in Deutschland studiert – wo lebst du derzeit bzw. wo ist dein künstlerischer Mittelpunkt?

VF: Ich bin vor drei Jahren von München nach Berlin gezogen. Von Zeit zu Zeit reise ich auch nach Norwegen. Berlin ist der perfekt Ort um zu leben, wenn man nicht genau weiß, wo man eigentlich leben möchte. In der Stadt leben sehr viele Musiker und Künstler, sie bietet sehr viel Platz und ist nicht so überfüllt wie andere Städte. Außerdem ist Berlin der perfekte Ausgangspunkt für meine Konzertreisen.


Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

Fr, 23. Mai 2014 // 19.30 Uhr // Großes Festspielhaus

VILDE FRANG SPIELT MOZART

WOLFGANG AMADEUS MOZART Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur, KV 219
ANTON BRUCKNER Symphonie Nr. 3 d-Moll, WAB 103 ‘Wagner’, 2. Fassung von 1877

WDR Sinfonieorchester Köln
Vilde Frang Violine
Jukka-Pekka Saraste Dirigent