Geschichte der Salzburger Kulturvereinigung

Pionierarbeit und Kulturereignis außerhalb der Festspielzeit

 

Die Salzburger Bevölkerung solle das ganze Jahr über von einem lebendigen kulturellen Umfeld zu leistbaren Preisen profitieren, so die ursprüngliche Mission der Salzburger Kulturvereinigung. Für die kulturelle Vielfalt, die wir heute in Salzburg erleben dürfen und die unsere Stadt so einzigartig macht, musste in den Nachkriegsjahren große Pionierarbeit geleistet werden. Als erster Mieter im Festspielhaus veranstaltete die Salzburger Kulturvereinigung ab 1951 erstmals Abonnement-Konzerte, initiierte später während der Festspielzeit das Salzburger Straßentheater und versorgte die Bevölkerung von der Gründungsstunde an mit einem vielfältigem Ausstellung-, Vortrags- und Kursprogramm. Heute hat sich die Kulturvereinigung als Salzburger führender Konzertveranstalter etabliert.

Aus dem Archiv:
Nachkriegsbildung und Salzburgs erste Theater- und Konzertabonnements 

Die Geschichte der Salzburger Kulturvereinigung ist seit ihrer Gründung im Jahr 1947 eng mit dem Festspielhaus verbunden. In den Gründungsstatuten sprach man sich bewusst für „die Förderung der Salzburger Festspiele, der von öffentlich-rechtlichen Körperschaften betriebenen Theater, des Salzburger Konzertleben […]“ aus. Diesen Idealen galt es zu entsprechen und neben den Bildungsaktivitäten der Kulturvereinigung, darunter auch unterschiedliche Lehrgänge und eine Maturaschule für junge Kriegsheimkehrer, sollte der seit 1950 bestehende Theaterring in Kooperation mit dem Landestheater weiter ausgebaut werden. Zu diesem Zweck engagierte das Präsidium 1951 den damals gerade 24-jährigen Heinz Erich Klier, der vor seiner Tätigkeit für die Kulturvereinigung – sie sollte seine lebenslange Aufgabe werden! – , auch Leiter des Kartenbüros der Salzburger Festspiele war. Klier verstand es, diese Chance zu nutzen: innerhalb einer Saison verdoppelte er die Theaterring-Abonnenten und legte wenig später auch den Grundstein für den heute so erfolgreichen Konzertring. Dieser begann 1952 zunächst in der Großen Aula der Universität, zwei Jahre danach wagte man dann den Sprung in das Kleine Festspielhaus. Bereits 1957 gelang die Übersiedelung des Konzertringes in das alte Große Festspielhaus, welches 1960 nach den Plänen von Clemens Holzmeister neu eröffnet wurde. Kaum einer hätte es damals für möglich gehalten, dass jemand in der Lage wäre, das Festspielhaus auch außerhalb von Festspielen zu füllen. Die Abonnement-Konzerte hatten aber eine enorme Zugkraft auf die Salzburger Bevölkerung und waren stets ausverkauft. Hier sah und hörte man die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Aram Katschaturian, die Moskauer Philharmoniker mit dem Solo-Geiger David Oistrach oder die Wiener Symphoniker dirigiert von Eduard Strauß. Ab der Saison 1963/64 musste sogar eine zusätzliche Konzertreihe im Kleinen Festspielhaus angeboten werden, da es für die Reihe im Großen Festspielhaus keine Abonnements mehr gab. 

Die Konzert-Zyklen fanden einen großen und treuen Abonnenten-Kreis, der heute rund 5.000 ständige Besucher zählt. Hinzu kommt der große Erfolg der Neujahrskonzerte im Großen Festspielhaus, die seit 1997 veranstaltet werden. Einen besonderen Stellenwert hat auch das zweiwöchige Musikfestival „Salzburger Kulturtage“ eingenommen, das 1972 als eine Art „musikalische Saisonverlängerung“ im Herbst gegründet wurde und prompt den Beinamen „Festspiele für jedermann“ erhielt. Hier kamen die Salzburger zu Konzerten und Opernaufführungen zusammen – als Künstler wie als Publikum, durchmischt mit internationaler Klientel, die den goldenen Herbst in Salzburg zu genießen wusste.

Straßentheater für die Salzburger

Es war der Festspiel-Regisseur Oscar Fritz Schuh, der gemeinsam mit seiner Frau Ursula die Idee eines Jahrmarktstheater bei freiem Eintritt hatte. Im Jahr 1970 wurde seine Idee schließlich von der Kulturvereinigung aufgenommen und diese zum zukünftigen Träger. Die Subventionsgeber Stadt, Land und Bund sahen darin eine passende Möglichkeit, das Straßentheater als eine Art „Öffnung der Festspiele“ für die Salzburger Bevölkerung zu präsentieren. Die Stieglbrauerei stellte die beiden prächtigen Rösser samt Kutscher zur Verfügung und spendierte der Kulturvereinigung einen Bierwagen, der von den Salzburger Festspielen zu einem Theaterwagen umgebaut wurde. Schuh blieb dem Straßentheater bis zu seinem Tod 1984 treu, danach hatte Regisseur Klaus Gmeiner 30 Jahre die Zügel in der Hand, bevor 2016 der Regisseur und Schauspieler Georg Clementi die Leitung des Straßentheaters übernahm. In diesem Sommer wird er erstmals eine Uraufführung inszenieren.

Aus der Zeit gefallen: Farblichtbildervorträge

Neben dem Theater- und Konzertsektor widmete sich die Kulturvereinigung der Bildung und organisierte u.a. populärwissenschaftliche Farblichtbildervorträge, zu denen vor allem in den 1950er- und 60er-Jahren tausende Menschen aus der ganzen Region pilgerten. In einer Zeit, wo Information nicht so leicht zugänglich war wie heute, sprengten Vorträge von Heinrich Harrer über „7 Jahre in Tibet“, Dr. Hans Hass über die „Großtierwelt des Meeres“ oder Vorträge über Afrika regelmäßig die Platzkapazitäten der Großen Universitätsaula.

Das Erbe von Georg Trakl – Salzburgs international bekanntester Dichter

Eine weitere verantwortungsvolle Aufgabe erwartete die Salzburger Kulturvereinigung im Jahr 1973, als das Land Salzburg die mit Hilfe der Kulturvereinigung neu geschaffene Trakl-Gedenkstätte im Geburtshaus des Dichters in ihre Obhut gab. Der Kurator und Leiter Dr. Hans Weichselbaum hat dieses seit 1973 ständig erweitert und mit Leben gefüllt. Der wichtigste Zuwachs war der Erwerb des Trakl-Nachlasses von Erhard Buschbeck, einem Schulfreund Trakls (1978). Er wurde durch eine Schenkung von Frau Prof. Lotte Tobisch-Labotyn 2008 ergänzt. 1987 wurde anlässlich des 100. Geburtstages von Georg Trakl die Gedenkstätte räumlich zur Forschungs- und Gedenkstätte (GTFG) erweitert. Heute verfügt die GTFG über eine ansehnliche Sammlung an Handschriften, Dokumenten, Publikationen und Fotografien sowie über ein Filmportrait und ist den Besuchern täglich zugänglich.

Vom Pionier zu Salzburgs führendem Konzertveranstalter

Im Laufe ihrer über 70-jährigen Geschichte hat sich die Salzburger Kulturvereinigung als der führende Konzertveranstalter der Mozartstadt etabliert. So ist sie heute für einen großen Teil des symphonischen Musiklebens der Stadt verantwortlich und lädt auch außerhalb von Festspielzeiten international renommierte Orchester in die Hauptspielstätte der Salzburger Festspiele ein. In langjähriger Partnerschaft mit dem Mozarteumorchester Salzburg konnten bisher mehr als 900 Konzerte veranstaltet werden. Den Salzburgerinnen und Salzburgern ist die Kulturvereinigung auch als Veranstalter des Salzburger Straßentheaters bekannt, das seit 1970 mit seinem Theaterwagen jeden Sommer an rund 40 Spielorten in Stadt und Land Salzburg Station macht und qualitätsvolles Theater bei freiem Eintritt bietet. Darüber hinaus betreibt die Kulturvereinigung seit 1973 die Georg Trakl Forschungs- und Gedenkstätte (GTFG) und vermittelt in diesem Museum und in zahlreichen Veranstaltungen das literarische Erbe von Salzburgs international bekanntestem Dichter. Hier im historischen Trakl-Haus befindet sich auch das Kartenbüro der Salzburger Kulturvereinigung.

Zahlen & Fakten

Die Salzburger Kulturvereinigung wurde 1947 gegründet.
Dr. Heinz Erich Klier wirkte von 1951 bis 2009 als Generalsekretär und ist bis heute als Vizepräsident aktiv.

1950 werden von der Kulturvereinigung die ersten Theater-Abonnements (Theaterring) in Kooperation mit dem Landestheater angeboten

1951 wird die Kulturvereinigung erster Mieter im Festspielhaus und veranstaltet dort die allererstes Abonnement-Konzerte in Salzburg.

1962 gründeten Dr. Heinz Erich Klier und Prof. Gustav Gruber das Orchester der Salzburger Kulturvereinigung.

Nach einer Idee von Prof. Oscar Fritz Schuh wurde 1970 das bis heute erfolgreiche Salzburger Straßentheater ins Leben gerufen. 

1972 – im Jahr des 25-jährigen Bestandsjubiläums der Salzburger Kulturvereinigung - gründete Dr. Klier die "Salzburger Kulturtage", die bis heute einen festen Platz im Kulturleben der Mozartstadt haben. 

1973 wurde nach jahrelanger Vorbereitungszeit im renovierten Geburtshaus von Georg Trakl eine Forschungs- und Gedenkstätte (GTFG) eingerichtet.

Seit 1997 brechen die Neujahrskonzerte jährlich Rekorde und die ungebremste Nachfrage erforderte 2011 erstmals die Erweiterung auf zwei und 2013 sogar auf drei Neujahrskonzerte an einem Tag. 

Im Jahr 2009 übernahm Elisabeth Fuchs die künstlerische Leitung und damit die gesamte Programmplanung. Gemeinsam mit ihr stellte sich Josefa Hüttenbrenner als kaufmännische Geschäftsführerin der Herausforderung einer zeitgemäßen Positionierung des als gemeinnütziger Verein organisierten Unternehmens.

Im November 2012 wurde Hans Schinwald zum neuen Präsidenten der Salzburger Kulturvereinigung gewählt.

2016 wird der Regisseur und Schauspieler Georg Clementi neuer künstlerischer Leiter des Salzburger Strassentheaters.

Im Oktober 2017 feiert die Salzburger Kulturvereinigung ihr 70-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Residenz und einem anschließenden Konzert mit dem Mozarteumorchester Salzburg im Großen Festspielhaus.

Seit Oktober 2018 ist Thomas Heißbauer neuer künstlerischer Leiter der Salzburger Kulturvereinigung.

Festakt zu "70 Jahre Salzburger Kulturvereinigung"